von Viktor Mayer-Schönberger und Thomas Range bringt mich dazu neuerlich deutsches Gegenwartssachbuch zu loben, es wurde zuerst auf englisch verfasst und man spürt den amerikanisch definierbaren Geist, der natürlich über eine einzelne Nation hinausgeht, aber ist nichts ungewöhnliches Diskrepanzen zwischen diesen beiden Kulturebenen zu entdecken, die sich in einem leicht paradoxen Buch wie diesem niederschlagen.

Denn selbstverständlich ist auch die ganze berufliche Erfahrungskraft und Bereitschaft der beiden Autoren vom angelsächsischen mutigeren Denken und Werten geprägt, da s bisschen deutsch ist vielleicht sogar hinein redigiert worden, selbst die Arbeitsplätze der Autoren sind internationale Mehrwertbrands.

Das Buch selbst in an vielen Stellen spürbar einem Konzept verpflichtet, das bereits vor der Recherche feststand und somit dem Bestätigungseffekten eines solchen Projektes unterliegt. Aber es ist dennoch ein brillianter informativer Vorstoß diese flüchtige Wunder der digitalen (Daten)Revolution zu verstehen und so sinnvoll wie möglich zu analysieren.

Ich finde es ab diesem Zeitpunkt zu kurz,um (s)eine These zu präsentieren, wie mit der Datensteuer eine Antwort zu erdenken, es scheint auf dem richtigen Weg, einen Diskurs auf hohem Niveau zu eröffnen, denn es ist nicht populär geschrieben, es hat Essayniveau in all seiner informativen Kürze.

Der Herr Professor aus Havard und Oxford und der jugendlich angehauchte Millenial Journalist ergeben eine spannendes Team, diese neuen Allianzen des Denkens sind Bereicherungen, sie erhöhen die Schlagzahl der Idee Buch ungemein.

Vielleicht können beide mit der typisch deutschen Sorgerei und warnenden Zeigefingern nicht aus ihrem Korsett zwar grundsätzlich positiven und fröhlich gestimmten Zukunftvisonen, welche dennoch wie gehemmt wirken, wie immer noch das haar in der suppe finden während sie längst weltweit serviert köstlichstes Ramen ist.

Ja, sie wird heiß gegessen und man muss etwas an der Zutatenkontrolle feilen, aber verdammt noch mal, sie ist köstlich und es lohnt sich den Genuss zu betonen.

In die Suppe zu spucken ist meistens jenen vorbehalten denen das alles nicht wirklich eingefallen ist, aber dies nur um den Diskurs-teil zu relativieren.

Ich vertraue meine Zukunft lieber Konzernen wie Amazon oder Google als Religion und Staat an, auch wenn beide natürlich nicht gegensätzlicher sein könnten, in den meisten Dysotopien bekommen diese neuen Giganten als Organisationsform den Staat ablösend zu viele Schattenaspekte der bisher gültigen Machtstrukturen aufgebrummt.

Sie selbst sind natürlich ebenfalls noch im Experimentalstadium, einer Art Therapie oder Verpuppung.

Es ist nicht von Vorteil das es zu wenig Visionäre unter den Visionären gibt, das die wahre Diversität auch genderspezifisch fehlt, aber wie auch immer, vor allem Schönberger ist sicherlich ein wundervoller Gesprächs und Diskurspartner auf tausend schillernden Facetten.

Was dem Buch auch sehr gut gelingt ist ein inspirierender wenn auch zu beschränkter Einblick in die Start Up Entwicklungen des moderneren Drittel des Planeten.

 

In dieses funkelnde brodelnde Gemisch aus Ideen, Verantwortungen und eben Visionen, welche mit einem atemberaubenden Tempo vonstatten die alten Strukturen unserer Gesellschaft ebenso schnell hinter sich lassen wie in anderen Befürchtungen bezüglich Smartphone, Jugend oder Kommunikationskultur üblich bis bekannt.

All das bis hin zum Klimawandel und anderen ökologischen Aspekten kommt deutlich zu kurz, es ist ein Öokologiespezifisches Werk, viel prächtige Wirtschaftstheorie und Live-Geschichtsstunde, aber leider zu sehr aus der flachen Optik des Ökonomen formuliert.

Hier wäre etwas weiter jenseits des Tellerandes zu agieren der Argumentation und der Dynamik des Themas gerechter geworden.

Das ursprünglich feinen Gewebe der sich beiden ergänzenden Autoren wird hier zum Fauxpas, denn es hätte wohl Sinn gemacht statt einem Wirtschaftsjournalisten eine breitgefächertere Ergänzung zu holen, vielleicht aus der Ökologie oder gar Philosophie.

Auf jeden Fall wurde hier Potential verschenkt, weil beide Autoren nicht nur im WIR Speech schreiben sondern sehr sehr ähnlich zu sein scheinen, eine positive Emergenz auf Pärchenniveau, mit zu wenig Unterschieden, aber damit bilden sie die fehlende Diversität des Themas perfekt ab.

Alles in allem ist das Digital weit von der Titelinspiration des epochalen Marxschen Kapital entfernt und wird nicht das Zeug zur Furore haben, dazu ist es zu klein, zu verhalten fasst, es reißt nicht mit und beschreibt nur zum teil, aber was es beschreibt machen die beiden Autoren gut, keine Frage, es kann nicht jedes mal ein Werk wie Homo Deus herauspurzeln, es ist sicher schwer auf diesem Argumentationsniveau 200-300 oder gar beeindruckend 600,700 zu erschaffen.

Die Zielgruppe scheint aber komplex gewählt, vielleicht sind es die Entscheider, wie auch immer, das Buch sollte auf jedem Kindle sein, und sei es nur um der Schlagwortsuche, dem eintritt in Big Data zu frönen, aber weil wir schon bei Verbesserungen sind,  Ziel sollte sein mit diesen Big Data Informationen besser zu interagieren, es ist herzlichst egal wer sie besitzt oder verwendet wenn ihre Analyse abstrakt bleibt, die Assistenz ist für mich also auch eine der spannendsten Details im Buch, aber Alexa und Co werden nur wenige Zeilen gewidmet.

Es ist einfach etwas zuviel auf Warnung und Wartung aufgebaut.

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